Gratis-Leseprobe · Kinderbuch

Taler und das Goldgeheimnis

Kapitel 1 · Der Rabe im Regen · Ein Kinderbuch über Wünsche, Mut und das Sparen

Für alle Kinder, die schon einmal in eine leere Spardose geschaut und gedacht haben: „Das reicht nie.“ – Doch, es reicht. Man muss nur wissen, wie.

Kapitel 1 – Der Rabe im Regen

Solange ich denken kann, wünschte ich mir ein Tier. Nicht irgendeins. Eins, das mir gehörte. Eins, das mich morgens weckte und abends neben meinem Bett schlief.

Aber in unserer alten Wohnung war das verboten. „Keine Tiere“, hatte der Vermieter gesagt und dabei die Nase gerümpft, als röche schon der Gedanke an einen Hund schlecht.

„Der mag sich selbst nicht“, brummte mein Papa jedes Mal. „Und wer sich selbst nicht mag, gönnt anderen kein bisschen Glück.“

Dann geschah das Wunder: Wir zogen um. In ein kleines, schiefes Haus am Rand der Stadt, mit einem Garten, in dem ein alter Apfelbaum stand und das Gras bis zu meinen Knien reichte. Es war unser eigenes Haus. Zum ersten Mal im Leben hatte ich ein Fenster, aus dem ich in einen Garten schauen konnte, der uns gehörte.

Nur eines wuchs mit dem Garten: die Sorgen meiner Eltern.

Das Haus hatte viel Geld gekostet. Zu viel, wie ich am Küchentisch heraushörte, wenn sie glaubten, ich schliefe schon. Dann klapperten Rechnungen, Papa seufzte, und Mama sagte Sätze, die immer gleich anfingen: „Wenn wir nur …“

Ich hieß übrigens Juna. Ich war elf. Und ich hatte damals keine Ahnung, dass in diesem verregneten Garten mein ganzes Leben umkippen würde.

Es war ein Morgen im Oktober, grau und nass, als hätte der Himmel vergessen, wie man aufhört zu weinen. Ich lief in Gummistiefeln durch das hohe Gras, weil ich vor der Schule noch einmal Luft schnappen wollte, und da lag er.

Ein Rabe.

Er lag unter dem Apfelbaum, schwarz wie ein Loch im nassen Grün, und rührte sich nicht. Ein Flügel stand seltsam ab. Auf seinen Federn glänzten Regentropfen, und daneben, halb im Matsch, lag ein kleiner, glänzender Hemdknopf, den er offenbar bis zuletzt festgehalten hatte.

Ich ging in die Knie. „Hallo“, flüsterte ich. „Bist du noch da?“

Ein Auge öffnete sich. Schwarz, tief, klug. Es sah mich an, als wollte es abschätzen, ob ich es wert war.

Ich rief nach Papa. Wir wickelten den Raben in ein Handtuch, so vorsichtig, als wäre er aus Glas, und fuhren zur Tierärztin. Der Flügel war angebrochen, sagte sie, und der Vogel völlig entkräftet. „Ein Kolkrabe“, sagte sie und schob die Brille hoch. „Die sind so klug wie ein sechsjähriges Kind. Manche sagen, klüger.“

„Wem gehört er?“, fragte Papa.

Niemandem, wie sich zeigte. Wir hängten Zettel auf. Wir riefen bei Auffangstationen an. Nichts. Der Rabe blieb.

Ich päppelte ihn gesund. Ich fütterte ihn mit Ei und weichem Brot, und wenn er stärker wurde, folgte sein Blick mir durch das Zimmer wie zwei kleine schwarze Perlen. Er sammelte Dinge, die glänzten: Papas Kronkorken, Mamas verlorenen Ohrring, eine Münze, die unter dem Sofa lag. Alles schleppte er in eine alte Teedose auf der Fensterbank und bewachte es wie ein Drache seinen Schatz.

Einen Namen hatte er noch nicht. Bis zu jenem Abend.

Wir saßen beim Essen, und Mama zählte zum wiederholten Mal die Rechnungen durch. „Am Ende bleibt kein Taler übrig“, sagte sie müde. „Kein einziger Taler.“

Da hüpfte der Rabe auf der Fensterbank herum, klackerte mit dem Schnabel gegen seine Dose voller Glitzerkram und krächzte laut.

Ich musste lachen. „Taler“, sagte ich. „Du heißt Taler.“

Der Rabe legte den Kopf schief. Und ich schwöre, er nickte.

Ab hier spricht Taler zum ersten Mal – nicht mit dem Schnabel, sondern direkt in Junas Kopf. Und er hat eine Menge vor mit ihr …
So geht die Geschichte weiter

In 10 weiteren Kapiteln lernt Juna von Taler, wie man Wünsche in Ziele verwandelt, das erste eigene Geld verdient, die „Gans, die goldene Eier legt“ niemals schlachtet – und ihrer ganzen Familie zeigt, wie man ohne Angst mit Geld umgeht.

Das ganze Buch entdecken →
← Zurück zu WowMoms

Fang heute an. Solange es noch klein ist.